Sozialpädiatrisches Zentrum und Frühförderung
Behandlung von Dyskalkulie/Rechenstörung
Was kennzeichnet eine Rechenstörung?
Detaillierte Diagnostik
Gruppenorientierte Behandlung der Kinder
Einbezug der Eltern
Kontaktaufnahme mit Lehrern
Was kennzeichnet eine Rechenstörung?
Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation beinhaltet eine Rechenstörung eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist.
Bei diesen Kindern scheinen insbesondere visuellräumliche und Fähigkeiten der optischen Wahrnehmung beeinträchtigt.
Weiterhin finden sich zusätzlich soziale und emotionale Verhaltensprobleme, jedoch ist über deren Charakteristika oder Häufigkeit wenig bekannt. Man glaubt, dass Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion besonders häufig auftreten.
Über Häufigkeit und Ursachen in der Entstehung dieser Entwicklungsstörung ist wenig bekannt, die Störung ist kaum untersucht.
Eine grobe Unterteilung der Dyskalkulie ist möglich in zwei Ursachengruppen:
- die primäre oder neurogene Dyskalkulie
Hier stehen organische Hirnleistungsschwächen im Vordergrund. - die sekundäre oder psychogene Dyskalkulie
Diese Rechenschwäche ist durch seelische Störungen bedingt, die Rechenprobleme sind Teilsymptom der Neurose. Rechnen ist ein komplexer Vorgang, für dessen ungestörten Ablauf Mut, Selbstvertrauen und eine gewisse Risikobereitschaft Voraussetzungen sind. Große Ängste eines Kindes können seine Rechenvorgänge blockieren und sogar verunmöglichen.
Im Vergleich zu anderen Entwicklungsstörungen bleiben Rechenstörungen häufig längere Zeit unbemerkt. Neben der relativen Unbekanntheit dieser Störung bei Eltern und Pädagogen spielt dabei auch eine Rolle, dass die umfassende Psychodiagnostik erst ab dem Ende der zweiten Grundschulklasse möglich ist.
Neben seelischen Störungen als Ursache der Rechenstörung (s.o.) finden sich sehr häufig nachfolgende emotionale Störungen (insbesondere Angststörungen), die auch durch die strenge Regelhaftigkeit der Mathematik bedingt sind: Bedingt durch seine absolute und kompromisslose Struktur und Funktion scheint das Rechnen bei Schülern wesentlich mehr Angst auszulösen als das Lesen, das Schreiben oder das Turnen. Beim Rechnen wird das Kind mit starren Regeln konfrontiert und wer diesen Anforderungen nicht gewachsen ist, hat versagt.
Weiterhin zeigen sich die bei Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten typischen Folgen wie Vermeidungsverhalten (speziell für Mathematik oder als generelle Schulangst), Verweigerungsverhalten und Blockaden (z.B. die Hausaufgaben zu machen oder zu Üben), verringertes Selbstwertgefühl, somatoforme und funktionelle Beschwerden.
Das Behandlungsprogramm des Sozialpädiatrischen Zentrums mit Frühförderung der Reha Westpfalz beinhaltet folgende Behandlungselemente:
Detaillierte Diagnostik
Sie beinhaltet neben einer ausführlichen Erfassung der Vorgeschichte auch eine psychologische Untersuchung zum Entwicklungs- und Intelligenzstand des Kindes, die Durchführung eines oder mehrerer Funktionstests ´Mathematik` und die Erfassung zusätzlicher Verhaltensauffälligkeiten. Eine Überprüfung der visuellen Wahrnehmung, des räumlichen Vorstellungsvermögens und motorischer Fertigkeiten ergänzt die Diagnostik.
Wichtig ist eine genaue Eingrenzung der Problematik, z.B. die Abgrenzung zwischen einer isolierten Rechenstörung und allgemeinem Entwicklungsrückstand.
Gruppenorientierte Behandlung der Kinder
Eine befristete Gruppenbehandlung soll die visuelle und auditive Wahrnehmung, die Motorik und allgemeine Konzentrationsfähigkeit fördern (Basistraining). Das Basistraining hat folgende Inhalte:
-
Verbesserung der visuell-räumlichen Auffassung
-
Förderung der Mengen- und Formkonstanz
-
Training der Figur-Grund-Unterscheidung
-
Verbesserung der Aufmerksamkeit beim Zuhören
-
Training des auditiven Gedächtnisses
-
Training der Visuomotorik/Graphomotorik
-
Verbesserung der Koordinationsfähigkeit
-
Förderung der Konzentrationsfähigkeit
Zusätzlich werden in der Gruppe weitere Aspekte der Dyskalkulie behandelt:
- Abbau von Vermeidungsverhalten und Verweigerung
- Behandlung begleitender Angststörungen und Somatisierungstendenzen
- Training, sich auf neue Anforderungen und Situationen einzustellen
- Verbesserung von Selbstsicherheit und sozialer Kompetenz
- Angemessener Umgang mit Wut, Aggression, Kränkung
- Strategie- und Denktraining für logische Defizite, Planungsdefizite und Defizite in der Konzeptbildung
- Selbstanleitungstechniken und Problemlösetraining
- Durchführung von Teilen eines Entspannungstrainings
Das weitere rechenspezifische Training setzt an den individuellen Defiziten und Kompetenzen der einzelnen Kinder an. Dabei findet dyskalkuliespezifisches Übungsmaterial Verwendung (z.B. Abaco, Cusenaire-Stäbe).
Einbezug der Eltern
Die Elternarbeit findet an mehreren Elternabenden statt. An Inhalten kommt dabei zur Sprache:
- Informationen über das Störungsbild, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten,
- Teufelskreise in der Schule und bei den Hausaufgaben (Schul- und Leistungsangst, Vermeidungs- und Verweigerungsverhalten, Motivation des Kindes, Vermeidung bzw. Abbau in der Folge auftretender Störungen).
- Voraussetzungen und Fähigkeiten des Kindes
- Anleitung der Eltern zu dosiertem häuslichen Training, zu Umgang mit Kontrolle und Verantwortung, Leistungserwartungen der Eltern, Gestaltung der Hausaufgabensituation (Unterschlagen von HA, zeitliche Dauer, günstige Umgebungsbedingungen)
Kontaktaufnahme mit Lehrern
Diese Kontakte beinhalten Informationen über das Störungsbild, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten wie das Erarbeiten von spezifischen Fördermöglichkeiten in der Schule.